23. – 27.03.2005
Polen, Berlin
Reise-Tagebüchlein, aus dem Land des Kussmundes
Veranstalter: BEUS-Reisen
Mittwoch, 23.03.05
850 km von Garbsen bis nach Kety (Polen)
In Kety haben wir das „Ritterhotel“ aufgesucht – „leider“ war nur noch ein Appartement frei. Okay bei ca. 50 Euro pro Übernachtung mit Frühstück haben wir erst einmal zugeschlagen. Nach der Zimmerbesichtigung haben wir direkt bis Samstag verlängert. Der Raum ist ganz ok – standesgemäß, nur das Echo stört ein wenig.
Dieses Hotel kann man nur empfehlen:
Piwnica Rycerska
32/650 Kety, Rynek 8
tel.: 033-8452505
www.rycerska.pl
Nachtrag zur Fahrt:
Wir haben neue Spiele kreirt: „Ich sah was, was du nicht mehr sehen wirst…“ oder „Laute aus der Natur erraten“ – fiel leider aus, da schon bei Tempo dreißig alles vom Winde verweht wurde.
Abendessen:
Zu unserem Ritterhotel passend, befindet sich das Restaurant in einem (nachempfundenen) Burgkeller. Die Empfehlung des netten Mannes….(nett!!!) Ein Separet – ein eigenes Burgverlies – praktisch!!! – mit nur einem Zugang und die Waffenkammer war gut gefüllt.
Und wie immer im Urlaub, um 22 Uhr lag jeder mit seinem „Arsch“ im Bett
Donnerstag, 24.03.05
Frühstück um neun Uhr, wie immer sind wir die letzten und über das Frühstücksbüfett sind die alten Raubritter hergefallen. Kaffee und Rührei nach Wunsch gab es frisch auf den Tisch. Ernst hatte leichte Zitteranfälle, das Variete-Programm beim Frühstück ließ keinen seiner Wünsche offen. Mein Wunsch stand auf dem Parkplatz. ;-))
Anschließend ging es nach Ozwiecim. Besuch der KZ-Gedenkstätte Auschwitz – Lager I.
Der Versuch, das erlebte und gesehene in Worte zu fassen:
Sakrale Ruhe auf dem ganzen Gelände, kaum laute Unterhaltungen waren zu vernehmen – trotz vieler Besucher/-gruppen. Sehr viele junge Leute.
Die ehemalige polnische Kaserne aus der ein Konzentrationslager wurde, wirkte auf uns wie eine alte Arbeitersiedlung. Für uns ist es nachvollziehbar, das die Deportierten beim Anblick des Lagers die Hoffnung hatten, das es sich um ein „Arbeitslager“ handeln würde.
Anschließend fuhren wir in das ca. 3 km entfernte Lager II – Birkenau.
… Diesen Eindruck bekomme ich nicht in Worte gefasst. Das Bild der „Rampe“, die Selektion von Menschen, … einen passenden Satz hat jemand anderes geschrieben:
„Die wenig gebliebenen Baracken aus Holz und vor allen die Schornsteine der nicht mehr bestehenden Unterkünfte ziehen sich scheinbar entlos zum Horizont hin und vermitteln ein kaum fassbares Bild von der Irrwitzigen Größe der Tötungsmaschinerie.“
Ein Tipp: Besuch diese Gedenkstätte in Ruhe, sammle deine eigenen Eindrücke bevor du evtl. eine Führung in Anspruch nimmst.
Anschließend haben wir eine selbstorganisierte Stadtrundfahrt durch Ozwiecim und Kety gemacht, fahre mal links, da vorne mal rechts und damit wir nicht aus der Übung kommen dort bitte wenden.
Hier wird noch viel mit alten, feuchten Socken geheizt – Kohle heißt die Energiequelle. Abends wird es diesig und es riecht nach fossilen Festbrennstoffen, außer so ein oller Trecker fährt vor einem her.
Es gibt wunderschöne alte und auch neue Häuser hier. Die alten Häuser zeugen von einer industriellen Blütezeit, die neuen von der Globalisierung des Arbeitsmarktes.
Für uns ging es anschließend zurück auf unser Burgzimmer, …zimmer. …mer, …er. Abends haben wir uns einen „ge-Zywich´s“ im Burgverlies, bei Reh mit Walnusssauce und Wildes Schwein mit Kräckern. Zum Nachtisch gab es bei Ernst ein Eierliköreis und bei mir Knoblauchsuppe mit mindestens drei alten Brötchen. Um acht vielen uns die Augen zu, damit wir nicht schon um neun Uhr inner Ritterkoje liegen, schriebseln wir dieses hier. Nü haben wir nichts mehr zum wechzyschen, drum ….
Diese letzte Erkenntnis: Wir befinden uns im Land des Kussmundes und der Apteken.
Freitag, 25.03.05
Um 10 Uhr verließen wir das Hotel, auf nach Krakau, ca. 70 km entfernt. Nach sieben Kilometern hatten wir den ersten Stau – typisch, Landstraße, Ampeln, Marktplatz = Chaos.
In Krakau haben wir uns gut zurecht gefunden, wir fanden einen Parkplatz direkt an der WAWEL. Wir sind den steilen Berg hinauf gekraxelt – bis zur Burg. Dort gibt es immer noch einen feuerspeienden Drachen – echt Cool – leider etwas reparaturbedürftig, oder wurde die Gasrechnung nicht bezahlt?
Danach folgten wir den Königsweg bis zum “ großen Markt“, die Sonne brannte den ganzen Weg. Markthallen angesehen, in den ehemaligen Tuchlagerhallen sind heute Touri-Stände mit polnischen Handarbeiten untergebracht. Anschließend auf dem Markplatz in der Sonne gesessen und Pferdefuhrwerke angeschaut (und natürlich auf Film gebannt). Von dort aus ging es – mit einem Zwischenstop bei der Taubenfütterungsstelle – zum Stadtteil Kazimierz. Hier war /ist der jüdische Stadtteil von Krakau mit sieben alten Synagogen.
Zum ersten Mal in unserem Leben besuchten wir eine Synagoge – die Stara Synagoge (auch wenn es eigentlich „nur“ ein Museum ist). Anschließend haben wir das Auto geholt um im Restaurant „Ariel“ – das beste Haus am Platze – koscher essen.
Zurück ging es wieder über Land – ohne Straßenkarte mit zweimal wenden – nach Kety.
Abends in unserem Rittergut probierten wir den „Chopin“ (Vodka; einer der besten). Postkarten geschrieben und anschließend diese Zeilen mühsam zu binär-codierten-virtuellen Papier gebracht – ich vertrage doch keinen Schnaps, da gehen bei mir immer die Phantasiepferde durch.
Jetzt muss ich noch eine rauchen und dann geht es ins Bett, 21:30 Uhr, schließlich ist ja Urlaub angesagt.
Samstag, 26.03.05
Morgens um 10:00 Uhr ging es wieder los. Erst einmal im Hotel auschecken. Das Wetter war regnerisch und so passte es gut, dass wir uns an diesem Morgen wieder dem Museum Auschwitz zuwendeten. Ohne große „Ausrüstung“ besuchten wir ein zweites mal das Lager I.
Ausgestattet mit dem „Informator“ besuchten wir die verschiedenen Blocks in denen die Ausstellung untergebracht ist.
Im Block 4 geht es um die „Vernichtung“, es wird gezeigt wie die massenhafte Vernichtung von Menschen kalkuliert und planmäßig organisiert worden ist.
Im Block 5 geht es um die Beweise des Verbrechens, Räume voll mit Schuhen, Koffern, Prothesen, Kinderkleidern …
In den Blocks 6 und 7 sieht man, wie die Menschen zu Beginn des Konzentrationslagers „lebten“ und wie sich die Lebensumstände im Laufe der Zeit verändert haben. In den Fluren geben Hunderte von Fotos der unfassbaren Zahl von gequälten, geschundenen und getöteten Menschen – Männer, Frauen, Junge, Alte, Kinder und Greise – ein Gesicht.
Block 11 war der „Todesblock“. In den Zellen wurde gepeinigt, gefoltert und gemordet. In einer der Zellen wurde der Pater Maximilian Kolbe zu Tode gehungert.
Interessant sind auch die Einzelnen Ausstellungen die sich mit dem Schicksal der Menschen aus bestimmten Ländern befassen. Wir haben uns die Ausstellungen zum Thema „Märtyrium der Juden“ in Block 27 und die in den Blocks 15 (Polen), 16 (Czechei, Slowakei) und 20 (Frankreich, Belgien) angesehen. Sehr unterschiedliche und hochinteressante Aufarbeitungen.
Danach machten wir uns auf den Weg zurück nach Deutschland. Das Wetter wurde noch schlechter und so machte auch das Fotografieren der Schachtböcke in der Nähe von Gliwice und Tychy nur wenig Spaß.
Unterwegs kehrten wir in eine der vielen Rasthäuser am Weg ein. Wir können euch sagen, wenn die Bedienung einen komisch anguckt, wenn man zum Schaschlik Piroggen bestellt, dann hat das seinen guten Grund.
Piroggen sind „Maultaschen“, diese sind z.B. mit Fleisch oder Pilzen gefüllt und machen alleine mehr als satt.
In Berlin sind wir so gegen 21:30 Uhr eingetroffen. Im EastSide Hotel war noch ein Zimmer frei. In der Hotelbar haben wir uns noch ein paar Köstritzer gegönnt und danach … ab ins Bett.
Sonntag, 27.03.05
Der erste Schock war die Überraschung, dass ja in der Nacht die Uhr umgestellt worden war und wir uns ganz schön beeilen mussten um noch das Frühstücksbüffet auskosten zu können.
Danach ging es ins Jüdische Museum, hier war zum Glück noch wenig los. Wir nahmen die Möglichkeit einer öffentlichen Führung zu „Leben und Glauben“ war.
Spannende Architektur, viele Stellen zum ausprobieren, empfinden, entdecken und spüren. Der Garten des Exils, der Holocaustturm, die verschiedenen Achsen des jüdischen Lebens in Deutschland.
Beim Besuch sollte man auf das Mitführen von Taschenmessern usw. verzichten, das gibt nur wieder Scherereien. Ich hatte mal wieder vergessen meinen Urlaubsausrüstung zu entrümpeln. Das Museum schauten wir uns nach einem Superzoff, dann alleine an.
Nach einer nicht ganz passablen Currywurst in der Currystation 86 ging es dann zurück nach Hannover.