{"id":1268,"date":"2022-02-18T21:25:39","date_gmt":"2022-02-18T20:25:39","guid":{"rendered":"https:\/\/wodys.net\/?page_id=1268"},"modified":"2022-07-13T22:19:57","modified_gmt":"2022-07-13T20:19:57","slug":"2005-polen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wodys.net\/index.php\/blog\/reisetagebuecher-beus\/2005-polen\/","title":{"rendered":"2005 Polen"},"content":{"rendered":"\n<p>23. &#8211; 27.03.2005<br>Polen, Berlin<br>Reise-Tageb\u00fcchlein, aus dem Land des Kussmundes<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-default\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Veranstalter:<\/strong> BEUS-Reisen<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mittwoch, 23.03.05<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>850 km von Garbsen bis nach Kety (Polen)<br>In <strong>Kety<\/strong> haben wir das &#8222;Ritterhotel&#8220; aufgesucht &#8211; &#8222;<em>leider<\/em>&#8220; war nur noch ein Appartement frei. Okay bei ca. 50 Euro pro \u00dcbernachtung mit Fr\u00fchst\u00fcck haben wir erst einmal zugeschlagen. Nach der Zimmerbesichtigung haben wir direkt bis Samstag verl\u00e4ngert. Der Raum ist ganz ok &#8211; standesgem\u00e4\u00df, nur das Echo st\u00f6rt ein wenig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dieses Hotel kann man nur empfehlen:<\/strong><br>Piwnica Rycerska<br>32\/650 Kety, Rynek 8<br>tel.: 033-8452505<br>www.rycerska.pl<\/p>\n\n\n\n<p>Nachtrag zur Fahrt:<br>Wir haben neue Spiele kreirt: &#8222;Ich sah was, was du nicht mehr sehen wirst&#8230;&#8220; oder &#8222;Laute aus der Natur erraten&#8220; &#8211; fiel leider aus, da schon bei Tempo drei\u00dfig alles vom Winde verweht wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Abendessen:<br>Zu unserem Ritterhotel passend, befindet sich das Restaurant in einem (nachempfundenen) Burgkeller. Die Empfehlung des netten Mannes&#8230;.(nett!!!) Ein Separet &#8211; ein eigenes Burgverlies &#8211; praktisch!!! &#8211; mit nur einem Zugang und die Waffenkammer war gut gef\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wie immer im Urlaub, um 22 Uhr lag jeder mit seinem &#8222;Arsch&#8220; im Bett<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Donnerstag, 24.03.05<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fchst\u00fcck um neun Uhr, wie immer sind wir die letzten und \u00fcber das Fr\u00fchst\u00fccksb\u00fcfett sind die alten Raubritter hergefallen. Kaffee und R\u00fchrei nach Wunsch gab es frisch auf den Tisch. Ernst hatte leichte Zitteranf\u00e4lle, das Variete-Programm beim Fr\u00fchst\u00fcck lie\u00df keinen seiner W\u00fcnsche offen. Mein Wunsch stand auf dem Parkplatz. ;-))<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend ging es nach Ozwiecim. Besuch der KZ-Gedenkst\u00e4tte Auschwitz &#8211; Lager I.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Versuch, das erlebte und gesehene in Worte zu fassen:<br>Sakrale Ruhe auf dem ganzen Gel\u00e4nde, kaum laute Unterhaltungen waren zu vernehmen &#8211; trotz vieler Besucher\/-gruppen. Sehr viele junge Leute.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ehemalige polnische Kaserne aus der ein Konzentrationslager wurde, wirkte auf uns wie eine alte Arbeitersiedlung. F\u00fcr uns ist es nachvollziehbar, das die Deportierten beim Anblick des Lagers die Hoffnung hatten, das es sich um ein &#8222;Arbeitslager&#8220; handeln w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend fuhren wir in das ca. 3 km entfernte Lager II &#8211; Birkenau.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8230; Diesen Eindruck bekomme ich nicht in Worte gefasst. Das Bild der &#8222;Rampe&#8220;, die Selektion von Menschen, &#8230; einen passenden Satz hat jemand anderes geschrieben:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Die wenig gebliebenen Baracken aus Holz und vor allen die Schornsteine der nicht mehr bestehenden Unterk\u00fcnfte ziehen sich scheinbar entlos zum Horizont hin und vermitteln ein kaum fassbares Bild von der Irrwitzigen Gr\u00f6\u00dfe der T\u00f6tungsmaschinerie.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein Tipp:<\/strong> Besuch diese Gedenkst\u00e4tte in Ruhe, sammle deine eigenen Eindr\u00fccke bevor du evtl. eine F\u00fchrung in Anspruch nimmst.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend haben wir eine selbstorganisierte Stadtrundfahrt durch Ozwiecim und Kety gemacht, fahre mal links, da vorne mal rechts und damit wir nicht aus der \u00dcbung kommen dort bitte wenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier wird noch viel mit alten, feuchten Socken geheizt &#8211; Kohle hei\u00dft die Energiequelle. Abends wird es diesig und es riecht nach fossilen Festbrennstoffen, au\u00dfer so ein oller Trecker f\u00e4hrt vor einem her.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt wundersch\u00f6ne alte und auch neue H\u00e4user hier. Die alten H\u00e4user zeugen von einer industriellen Bl\u00fctezeit, die neuen von der Globalisierung des Arbeitsmarktes.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr uns ging es anschlie\u00dfend zur\u00fcck auf unser Burgzimmer, &#8230;zimmer. &#8230;mer, &#8230;er. Abends haben wir uns einen &#8222;ge-Zywich\u00b4s&#8220; im Burgverlies, bei Reh mit Walnusssauce und Wildes Schwein mit Kr\u00e4ckern. Zum Nachtisch gab es bei Ernst ein Eierlik\u00f6reis und bei mir Knoblauchsuppe mit mindestens drei alten Br\u00f6tchen. Um acht vielen uns die Augen zu, damit wir nicht schon um neun Uhr inner Ritterkoje liegen, schriebseln wir dieses hier. N\u00fc haben wir nichts mehr zum wechzyschen, drum &#8230;.<br>Diese letzte Erkenntnis: Wir befinden uns im Land des Kussmundes und der Apteken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Freitag, 25.03.05<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Um 10 Uhr verlie\u00dfen wir das Hotel, auf nach Krakau, ca. 70 km entfernt. Nach sieben Kilometern hatten wir den ersten Stau &#8211; typisch, Landstra\u00dfe, Ampeln, Marktplatz = Chaos.<\/p>\n\n\n\n<p>In Krakau haben wir uns gut zurecht gefunden, wir fanden einen Parkplatz direkt an der WAWEL. Wir sind den steilen Berg hinauf gekraxelt &#8211; bis zur Burg. Dort gibt es immer noch einen feuerspeienden Drachen &#8211; echt Cool &#8211; leider etwas reparaturbed\u00fcrftig, oder wurde die Gasrechnung nicht bezahlt?<\/p>\n\n\n\n<p>Danach folgten wir den K\u00f6nigsweg bis zum &#8220; gro\u00dfen Markt&#8220;, die Sonne brannte den ganzen Weg. Markthallen angesehen, in den ehemaligen Tuchlagerhallen sind heute Touri-St\u00e4nde mit polnischen Handarbeiten untergebracht. Anschlie\u00dfend auf dem Markplatz in der Sonne gesessen und Pferdefuhrwerke angeschaut (und nat\u00fcrlich auf Film gebannt). Von dort aus ging es &#8211; mit einem Zwischenstop bei der Taubenf\u00fctterungsstelle &#8211; zum Stadtteil Kazimierz. Hier war \/ist der j\u00fcdische Stadtteil von Krakau mit sieben alten Synagogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum ersten Mal in unserem Leben besuchten wir eine Synagoge &#8211; die Stara Synagoge (auch wenn es eigentlich &#8222;nur&#8220; ein Museum ist). Anschlie\u00dfend haben wir das Auto geholt um im Restaurant &#8222;Ariel&#8220; &#8211; das beste Haus am Platze &#8211; koscher essen.<br>Zur\u00fcck ging es wieder \u00fcber Land &#8211; ohne Stra\u00dfenkarte mit zweimal wenden &#8211; nach Kety.<\/p>\n\n\n\n<p>Abends in unserem Rittergut probierten wir den &#8222;Chopin&#8220; (Vodka; einer der besten). Postkarten geschrieben und anschlie\u00dfend diese Zeilen m\u00fchsam zu bin\u00e4r-codierten-virtuellen Papier gebracht &#8211; ich vertrage doch keinen Schnaps, da gehen bei mir immer die Phantasiepferde durch.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt muss ich noch eine rauchen und dann geht es ins Bett, 21:30 Uhr, schlie\u00dflich ist ja Urlaub angesagt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Samstag, 26.03.05<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Morgens um 10:00 Uhr ging es wieder los. Erst einmal im Hotel auschecken. Das Wetter war regnerisch und so passte es gut, dass wir uns an diesem Morgen wieder dem Museum Auschwitz zuwendeten. Ohne gro\u00dfe &#8222;Ausr\u00fcstung&#8220; besuchten wir ein zweites mal das Lager I.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausgestattet mit dem &#8222;Informator&#8220; besuchten wir die verschiedenen Blocks in denen die Ausstellung untergebracht ist.<br><br>Im <strong>Block 4<\/strong> geht es um die &#8222;Vernichtung&#8220;, es wird gezeigt wie die massenhafte Vernichtung von Menschen kalkuliert und planm\u00e4\u00dfig organisiert worden ist.<br><br>Im <strong>Block 5<\/strong> geht es um die Beweise des Verbrechens, R\u00e4ume voll mit Schuhen, Koffern, Prothesen, Kinderkleidern &#8230;<br><br>In den <strong>Blocks 6 und 7<\/strong> sieht man, wie die Menschen zu Beginn des Konzentrationslagers &#8222;lebten&#8220; und wie sich die Lebensumst\u00e4nde im Laufe der Zeit ver\u00e4ndert haben. In den Fluren geben Hunderte von Fotos der unfassbaren Zahl von gequ\u00e4lten, geschundenen und get\u00f6teten Menschen &#8211; M\u00e4nner, Frauen, Junge, Alte, Kinder und Greise &#8211; ein Gesicht.<br><br><strong>Block 11<\/strong> war der &#8222;Todesblock&#8220;. In den Zellen wurde gepeinigt, gefoltert und gemordet. In einer der Zellen wurde der <strong><em>Pater Maximilian Kolbe<\/em><\/strong> zu Tode gehungert.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant sind auch die Einzelnen Ausstellungen die sich mit dem Schicksal der Menschen aus bestimmten L\u00e4ndern befassen. Wir haben uns die Ausstellungen zum Thema &#8222;M\u00e4rtyrium der Juden&#8220; in <strong>Block 27<\/strong> und die in den <strong>Blocks 15 <\/strong>(Polen), <strong>16<\/strong> (Czechei, Slowakei) und <strong>20<\/strong> (Frankreich, Belgien) angesehen. Sehr unterschiedliche und hochinteressante Aufarbeitungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach machten wir uns auf den Weg zur\u00fcck nach Deutschland. Das Wetter wurde noch schlechter und so machte auch das Fotografieren der Schachtb\u00f6cke in der N\u00e4he von Gliwice und Tychy nur wenig Spa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Unterwegs kehrten wir in eine der vielen Rasth\u00e4user am Weg ein. Wir k\u00f6nnen euch sagen, wenn die Bedienung einen komisch anguckt, wenn man zum Schaschlik Piroggen bestellt, dann hat das seinen guten Grund.<br>Piroggen sind &#8222;Maultaschen&#8220;, diese sind z.B. mit Fleisch oder Pilzen gef\u00fcllt und machen alleine mehr als satt.<\/p>\n\n\n\n<p>In Berlin sind wir so gegen 21:30 Uhr eingetroffen. Im EastSide Hotel war noch ein Zimmer frei. In der Hotelbar haben wir uns noch ein paar K\u00f6stritzer geg\u00f6nnt und danach &#8230; ab ins Bett.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sonntag, 27.03.05<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Schock war die \u00dcberraschung, dass ja in der Nacht die Uhr umgestellt worden war und wir uns ganz sch\u00f6n beeilen mussten um noch das Fr\u00fchst\u00fccksb\u00fcffet auskosten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach ging es ins J\u00fcdische Museum, hier war zum Gl\u00fcck noch wenig los. Wir nahmen die M\u00f6glichkeit einer \u00f6ffentlichen F\u00fchrung zu &#8222;Leben und Glauben&#8220; war.<\/p>\n\n\n\n<p>Spannende Architektur, viele Stellen zum ausprobieren, empfinden, entdecken und sp\u00fcren. Der Garten des Exils, der Holocaustturm, die verschiedenen Achsen des j\u00fcdischen Lebens in Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Besuch sollte man auf das Mitf\u00fchren von Taschenmessern usw. verzichten, das gibt nur wieder Scherereien. Ich hatte mal wieder vergessen meinen Urlaubsausr\u00fcstung zu entr\u00fcmpeln. Das Museum schauten wir uns nach einem Superzoff, dann alleine an.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer nicht ganz passablen Currywurst in der Currystation 86 ging es dann zur\u00fcck nach Hannover.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>23. &#8211; 27.03.2005Polen, BerlinReise-Tageb\u00fcchlein, aus dem Land des Kussmundes Veranstalter: BEUS-Reisen Mittwoch, 23.03.05 850 km von Garbsen bis nach Kety (Polen)In Kety haben wir das &#8222;Ritterhotel&#8220; aufgesucht &#8211; &#8222;leider&#8220; war nur noch ein Appartement frei. Okay bei ca. 50 Euro pro \u00dcbernachtung mit Fr\u00fchst\u00fcck haben wir erst einmal zugeschlagen. 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